Ausstellung

Abteilungen

Regionales Handwerk, Gedenkvitrine Nees von Esenbeck
Werkzeuge und Produkte nur noch wenig oder gar nicht mehr ausgeübter Handwerksberufe haben in der ehemaligen Markthalle ihren Platz gefunden. Wie wurden und werden Schindeln hergestellt? Welche Werkzeuge benutzte der Schindler? Wie sah eine Schuhmacherwerkstatt aus? Was sind Leisten? Gibt es Nägel aus Holz? Auf viele Fragen können Sie eine Antwort in dieser Abteilung erhalten. Der einzige in Deutschland noch arbeitende „Gäulchesmacher“ stellt hier seine verschieden große Spielzeugpferdchen, die „Gäulchen“, aus. Zutaten für die Lebkuchenherstellung, Ausstechformen und Modelle, wie sie noch heute Lebkuchenbäcker in Beerfurth gebrauchen, sind in der Vitrine ebenso dargestellt wie die Arbeit des Färbers beim Färben und Bedrucken von Leinen. An einem Modell des Rathauses in seiner ursprünglichen Form wird die Geschichte des Museumsgebäudes lebendig und man kann die architektonischen Besonderheiten dieses Gebäudes sehen.

Vitrinen und Gedenksteine erinnern an Daniel Nees von Esenbeck, der 1776 auf Schloss Reichenberg geboren und Begründer des Botanischen Gartens Bonn und Präsident der Leopoldina war.

Schulmuseum Odenwaldkreis
Schulunterricht für die Kinder in Reichelsheim gibt es nachweislich seit 1577. Zwischen 1617 – 1620 entstand in der Gemeinde das erste Schulhaus. Diese Entwicklung des Schulwesens in Reichelsheim und im gesamten Odenwaldkreis von 1600 bis heute wird in Standortkarten, Skizzen, Büchern, Experimentierkästen und Geräten gezeigt. Mit der Einrichtung eines historischen Schulsaales ist ein Stück Schul- und Dorfgeschichte an seinen ursprünglichen Ort zurückgekehrt. In dem Saal können Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Klassen nach Absprache eine „Schulstunde zu Großelterns Zeiten“ halten.

Ein Gang durch die neu gestaltete Bergbauabteilung des Regionalmuseums
Der Besucher betritt die Ausstellungsräume der Abteilung durch die Nachbildung eines historischen Stahlausbaus aus dem zwischen 1880 und 1904 betriebenen „Alten Stollen“ der Manganerzgrube „Georg“ bei Rohrbach. Der Stollen mit seinem denkmalgeschützten Portal liegt am Geopark-Lehrpfad „Manganerzbergbau“ und ist mit einer zeitgeschalteten Beleuchtung versehen, durch die der Besucher einen hervorragenden Einblick in den alten Bergbaubetrieb erhält. Zwei große Bildreproduktionen zeigen den Manganerzbergbau-Betrieb an der „Geiswiese“ oberhalb von Bockenrod und eine Gruppenaufnahme der Belegschaft 1890. Die Betrachtung der Gesichter, der Kleidung und der Arbeitswerkzeuge der Bergleute ist faszinierend und verdeutlicht eindrucksvoll die Arbeitsbedingungen im Bergbau der Zeit der frühen Industrialisierung.

Doch nicht nur der Bergbau selbst ist Thema der Ausstellung, sondern auch die Form und Entstehung der Lagerstätten, die im Laufe der 1200jährigen Bergbaugeschichte Reichelsheims erschlossen wurden. Die „Geologische Wand“ zeigt einen Schnitt durch die Eisen- und Manganerz­lagerstätte am Übergang zwischen Kristallinem Odenwald und Buntsandstein-Odenwald. Die Nutzung der Lagerstätte wandelte sich mit der Zeit. Auf den mittelalterlichen Eisenerzbergbau folgte die industriezeitliche Manganerzgewinnung für die Stahlherstellung (Mangan diente als Stahlveredler). Zuletzt wurde der qualitativ hochwertige Ton, der die Eisen- und Manganerze überlagert, an der „Vier-Stöck“ abgebaut. Ein Tagebau, der erst vor zwei Jahren eingestellt wurde.

In ähnlicher Weise wurden auf der gegenüberliegenden Seite die weiteren Lagerstättentypen dargestellt. Hier wurde die regionale Geologie (erdgeschichtliche Entwicklung der Region), die Entstehung von aderförmigen „Pegmatit- und Schwerspatgängen“, thematisiert. Während die feldspatreichen Pegmatite vor allem Rohstoffe für die Porzellan- und Keramikindustrie lieferten, wurde der Schwerspat unter anderem zur Herstellung weißer Farbe und in der Papierindustrie verwendet. Doch auch hier trifft der Besucher nicht auf „trockene“ lagerstättenkundliche und geologische Theorie: Neben einer frei zugänglichen Gesteinssammlung zeigen manchmal überraschende Verwendungsbeispiele zum Anfassen, was beispielsweise Glimmer mit Elektronenröhren zu tun hat, oder warum man Schwerspat auch in den Gewichten mancher Waschmaschine und in Nadelfilzteppichen findet. „Hand anlegen“ und selbstständiges Erkunden und Erforschen möchte die neue Ausstellungskonzeption fördern.

Eine besondere Faszination übt die neu geordnete Mineraliensammlung des Museums aus: Hervorragende aktuelle Funde zeigen die Eigenarten der Lagerstätten. Über eine farbliche Codierung können die Mineralstufen den auf den Tafeln dargestellten Lagerstättentypen und Entstehungsweisen zugeordnet werden. Der Betrachter ist dabei frei, einfach nur die Vielfalt der Formen und Farben zu bewundern oder tiefer in die Materie der Mineralogie einzusteigen. Einen besonderen Akzent setzt die Tischvitrine mit ausnahmslos historischen Stufen aus der Bergbauzeit.

Über eine steile Stiege gelangt man in den neuen Ausstellungsbereich im Dachgiebel. Ein Stollen-Diorama empfängt den überraschten Besucher, der sich hier über die Methoden und Ergebnisse der aktuellen montanarchäologischen Forschungen bei Reichelsheim informieren kann. Der Tagstollen, der bei Reichelsheim freigelegten Eisenerzgrube, stammt vermutlich aus dem 15. Jahrhundert. Er wurde während des Dreißigjährigen Krieges aufgegeben und um 1666 wieder reaktiviert. Aus dieser Zeit stammen auch die im Diorama eingebauten originalen Holzteile. Eine immer wieder aktualisierte Präsentation zeigt die Fragen, Methoden und Ergebnisse der Forschungen auf.

Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn, Fahrzeuge der Bahnpost
Von 1887 bis 1963 erschloss eine Eisenbahnstrecke das obere Gersprenztal zwischen Reinheim und Reichelsheim. Auf der als „Odenwälder Lieschen“ bekannten Nebenbahnlinie ermöglichten Dampfloks und Triebwagen einen bequemen und reibungslosen Transport von Fahrgästen und Produkten des Odenwaldes und anderer Regionen. Eine Betriebswerkstatt mit Wasserturm, Kohlenbunker und Lokschuppen in Reichelsheim sowie eine Bahnmeisterei in Groß-Bieberau hoben das „Lieschen“ über den Rahmen einer Nebenbahn hinaus. Bilder, Geräte, Schrift- und Kleidungsstücke sowie ein Modell des Streckenverlaufs dokumentieren die Geschichte dieser Bahn.

Eine Sammlung zur Geschichte der Bahnpost dokumentiert die Bedeutung des einstigen Rückgrats der Postbeförderung auf der Schiene. Über 800 Wagen- und Lokmodelle in den Nenngrößen 0, 1, HO, N und Z namhafter Modellbaufirmen spiegeln auch den Fortschritt der Herstellungstechniken von Modellbahnen wider.

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