Sabine Friedrichson

Sabine Friedrichson

Interview 

Frau Friedrichson, was ist Ihnen denn spontan durch den Kopf gegangen, als Sie erfuhren, dass der im Rahmen der Reichelsheimer Märchen- und Sagentage verliehenen Wildweibchenpreis in diesem Jahr an Sie geht?

Die Nachricht, dass mit mir eine Illustratorin ausgewählt wurde, hat mich  wirklich sehr gefreut, denn damit wird wunderbar auf die Wichtigkeit von Bildern aufmerksam gemacht und Illustration gewürdigt.

Ihre Illustrationen zu Andersens Märchen haben Sie international bekannt gemacht. Sie haben dafür mehrere große Preise bekommen, u.a. die Plakette der Biennale in Bratislava. Was bedeutet für Sie ein Preis wie der Reichelsheimer Wildweibchenpreis? 

Die Märchen- und Sagentage haben in diesem Herbst Hans Christian Andersen zum Thema; ich habe ihn schon seit fast drei Jahrzehnten zum Thema und empfinde daher den »märchenhaften« Wildweibchenpreis als besondere Ehrung für meine Andersen-Arbeiten.

Welche Gedanken und Vorarbeiten haben Sie beschäftigt, um dem Leben und Werk Andersens gerecht zu werden und gleichzeitig die Realität und die Feinheit seiner Märchen adäquat zu erfassen?

Ich wollte Andersen ganz ernst nehmen und entdeckte den Realisten. Sein Zitat »Aus dem Wirklichen erwächst das erstaunlichste Märchen«, wurde mein Motto. Somit entschied ich mich, das ganz und gar Phantastische auch ganz und gar der Phantasie zu überlassen. Schauplätze eines Geschehens realistisch zu zeigen, sich als eine Art Spurensucher auf Details zu konzentrieren wurde mein Illustrationsweg zu Andersen. Gerade in seiner Dichtung sind die stummen Dinge ja sehr beredt, und so ließ ich sie für sich sprechen. Ähnlich näherte ich mich auch seinem Leben. Wichtige Momente aus den Autobiographien, Tagebüchern und Briefen versuchte ich in aussagekräftige Bilder umzusetzen unter Verwendung von erhaltenen Dingen, die ihn umgaben. Eine Montage aus Bildern und Dokumenten, immer begleitet von seinen eigenen Worten.

Ihr Mann Ralf Mauer ist für die Cover-Gestaltung und für die Typographie zuständig. Wann setzt seine Arbeit ein? 

Grundsätzlich arbeiten wir von Anfang an gemeinsam an einem Projekt. Nach Kenntnis der Texte und ersten Bildideen werden konkrete Entwürfe ausprobiert.

Wie gehen Sie, Ralf Mauer, bei Ihrer Arbeit vor? Wie und warum entscheiden Sie sich für eine Schrift?

Für mich ist nach wie vor der Inhalt entscheidend. Die Feineinstellung erfolgt dann im Zusammenhang mit der Illustration. Also um welche Art von Text handelt es sich (lyrisch, romantisch, sachlich, poetisch etc.) und um welche Art von Illustration (feine Federzeichnung, grober Holzschnitt, flächige Collagen etc.)? Diesen beiden Kriterien muß die Schriftwahl gerecht werden. Als Transportmittel des Inhalts sollte sie dem Charakter des Geschriebenen entsprechen und als ästhetische Einheit mit der Illustration zusammengehen.

Die Fragen stellte Cheforganisator Jochen Rietdorf am 2. April 2007, dem 202. Geburtstag von Hans Christian Andersen