Dr. Heinrich Pleticha

Dr. Heinrich Pleticha

Erste Reaktion des Preisträgers nach Erhalt der Nachricht von der diesjährigen Verleihung des Wildweibchenpreises an ihn:

Dieses Reichelsheim

„Wo liegt denn dieses Reichelsheim?“ – das war meine erste Frage, als ich 1996 eingeladen wurde, dort bei den Märchen- und Sagentagen einen Vortrag zu halten. Damals hatte ich noch nie etwas von der Gemeinde gehört. Aber die Kontaktaufnahme sollte ich nicht bereuen, merkte ich doch rasch, dass dort etwas Neues geschaffen wurde. Eine ganze Gemeinde engagierte sich nämlich vom jüngsten Volksschüler angefangen bis zum Bürgermeister für Sagen und Märchen, und die Begeisterung übertrug sich auf uns Gäste, auf den Preisträger Willi Fährmann ebenso wie auf die Referenten.

Dabei war das erst der Anfang. Reichelsheim sorgte in den folgenden Jahren dafür, dass man es nicht mehr vergaß. Die Berichte über die Märchentage rissen nicht mehr ab, sie wurden immer aufwendiger, Freunde und Bekannte wie etwa Otfried Preußler, Paul Maar oder Hans Christian Kirsch bekamen den Wildweibchen-Preis.

Und in diesem Jahr soll ich ihn bekommen. Natürlich freue ich mich sehr, aber trotzdem stellt sich gleich wieder eine Frage, diesmal nicht nach dem topographischen, sondern nach dem persönlichen Bezug: 

„Wie so denn ich?“ Das ist keine gezierte Bescheidenheit, sondern nur nüchterne Überlegung. Aber ganz offensichtlich ist „dieses Reichelsheim“ stets für Überraschungen gut, geht gern neue oder zumindest andere Wege. Denn schließlich bin ich kein Erzähler, sondern Sachbuchautor und Literaturpädagoge, also im weitesten Sinne eine Art Vermittler für Sage und Geschichte.

Aber dieses Reichelsheim braucht ganz offensichtlich nicht nur die Erzähler und Zuhörer, die Waldweibchen und Schlossgespenster, die Schausteller und den Bürgermeister, sondern auch die Schulmeister!  Wie schön, dass man dort daran gedacht hat. Und ich bedanke mich im Namen aller Schulmeister ganz herzlich für den Preis!

 

Begründung der Jury zur Verleihung des 

Wildweibchenpreises 2004 an Dr. Heinrich Pleticha

Mit der Verleihung des Wildweibchenpreises an Heinrich Pleticha ehren wir einen Autor und Publizisten, der als Fachmann auf vielen Gebieten gilt. Auf der Grundlage einer ganzheitlichen, umfassenden Bildung ist er Verfasser zahlreicher Kinder- und Jugendbücher und vieler kulturhistorischer Werke. Zu seinem komplexen Gesamtwerk gehört auch eine sehr schön gestaltete Sagensammlung mit verständlichen Erläuterungen. Sein Aufsatz „Wie Märchen und Sagen mich ein Leben lang begleitet haben“ zeigt seine Verbundenheit zum Thema der Märchentage und sein Bemühen um die Vermittlung von Literatur.